Das delische Testgelände für Psycho`s

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Das Geheul - für Carl Solomon







1. Ich sah die besten Köpfe meiner Generation vom Wahnsinn zerstört, verhungernd hysterisch nackt, wie sie sich durch die Negerstraßen schleppten im Morgengrauen, auf der Suche nach einer letzten Spritze,

2. engelköpfige Freaks, gierig nach der alten himmlischen Verbindung zum Stern-Dynamo in der Maschinerie der Nacht,

3. die armselig und verwahrlost und hohläugig und high in der übernatürlichen Finsternis ihrer über den Städten schwebenden Kaltwasserbuden hockten und kifften und Jazz meditierten,

4. die dem Himmel ihre Gehirne entblößten unter der Hochbahn und mohammedanische Engel taumeln sahen auf den Dächern erleuchteter Mietskasernen,

5. die durch Universitäten strichen mit strahlenden kühlen Augen und Arkansas halluzinierten und düstere Blake-Tragödien zwischen den Magistern des Krieges,

6. die wegen Wahnsinns der Akademien verwiesen wurden, weil sie an die Fenster des Totenschädels obszöne Oden geschmiert hatten,

7. die in Unterwäsche kauerten in unrasierten Buden, ihr Geld in Papierkörben verbrannten und dem Terror lauschten, der durch die Wand kam,

8. die mit ihren Schamhaar-Bärten an der Grenze bei Laredo hochgenommen wurden mit einem Gürtel Marijuana für New York,

9. die Feuer frassen in Absteigen oder Terpentin schluckten in Paradise Alley und daran verreckten und ihre Rümpfe im Fegefeuer quälten Nacht für Nacht,

10. mit Träumen, mit Drogen, mit Nachtmahren bei offenen Augen und Alkohol und Schwänzen und endlosen Ficks,

11. unvergleichlich blinde Strassen mit schaudernden Wolken und Blitzen im Kopf, die übersprangen auf Telegraphenmasten von Kanada & Paterson und die ganze reglose Welt der Zeit dazwischen mit Licht übergossen

12. Meskalinversteinerte Hausflure, hinterhof-baumgrüne Friedhofsdämmerungen, Weinräusche über den Dächern, ekstatische bekiffte Fahrten durch Einkaufsviertel und neonblinkende Ampeln, Sonne und Mond und Baumvibrationen in den brüllenden Winterdämmerungen von Brooklyn, Predigten zwischen Mülltonnen und das sanfte Königslicht des Geistes,

13. die sich auf Benzedrin an U-Bahnen ketteten zur endlosen Fahrt von Battery Park zur heiligen Bronx, bis der Lärm der Räder und Kinder sie runterbrachte, zitternd, sabbernd, zerschlagen, mit stumpfen glanzlosen Hirnen im traurigen Licht des Zoos,

14. die nachts im Unterwasserlicht von Bickford's versanken, hinaustrieben und die schalen Biernachmittage abhockten im öden Fugazzi's, wo sie aus der Wasserstoff-Jukebox die Posaunen des Jüngsten Gerichts hörten,

15. die ohne Aufhören siebzig Stunden lang redeten, zwischen Park und Bude und Bar und Bellevue und Museum und Brooklyn Bridge,

16. ein verlorener Haufen platonischer Schwätzer, die von der Veranda sprangen, von Feuerleitern, von Fensterbrettern, vom Empire State Building, vom Mond,

17. und Tatsachen und Erinnerungen und Anekdoten und visuelle Kicks und Schocks aus Krankenhäusern und Knästen und Kriegen herplapperten, herausschrien, auskotzten, vor sich hinflüsterten,

18. ganze Verstandesgebäude, mit glänzenden Augen herausgewürgt in sieben Tagen und Nächten im Sturm der Erinnerung, Fleisch für die Synagoge, auf die Straße geworfen,

19. die ins Nirgendwo eines Zen-New-Jersey verschwanden und nichts hinterließen als eine Spur zweideutiger Ansichtskarten von Atlantic City Hall,

20. die in Newark in trostlosen möblierten Zimmern auf Entzug gingen und asiatische Schweißausbrüche durchlitten und Gliederschmerzen aus Tanger und Migränen aus China,

21. die um Mitternacht auf dem Güterbahnhof hin- und herwanderten und überlegten, wohin sie fahren sollten, und dann fuhren sie und niemand trauerte ihnen nach,

22. die Zigaretten rauchten in Güterwaggons Güterwaggons Güterwaggons auf der ratternden Fahrt durch den Schnee, einsamen Farmen entgegen in der großväterlichen Nacht,

23. die Plotin lasen und Poe und Johannes vom Kreuz und sich mit Telepathie beschäftigten und der Kabbala des Bebop, weil sie fühlten, wie der Kosmos unter ihren Füßen vibriert hatte in Kansas,

24. die einsam durch die Strassen von Idaho irrten auf der Suche nach visionären indischen Engeln, die visionäre indische Engel waren,

25. die dachten, dass sie einfach verrückt seien, als Baltimore in übernatürlicher Ekstase erstrahlte,

26. die in Limousinen sprangen mit dem Chinesen von Oklahoma, einfach so, weil Winter war, Mitternacht, Strassenlaternen, Kleinstadt, und es regnete,

27. die ausgehungert und vereinsamt durch Houston lungerten, auf der Suche nach Jazz oder Sex oder einer Suppe, und mit dem brillanten Spanier loszogen, um über Amerika und die Ewigkeit zu reden, ein hoffnungsloses Unterfangen, und sich dann nach Afrika einschifften,

28. die in den Vulkanen von Mexico verschwanden und nichts hinterließen als den Schatten ihrer Arbeitsklamotten und die Lava und Asche verbrannter Dichtungen im Feuerofen von Chicago,

29. die an der Westküste wieder auftauchten und gegen das FBI ermittelten, bärtig, in Shorts, mit großen pazifistischen Augen, sexy und braungebrannt, und unverständliche Flugblätter austeilten,

30. die mit Zigaretten Löcher brannten in ihre Arme aus Protest gegen die betäubenden Tabakschwaden des Kapitalismus,

31. die auf dem Union Square superkommunistische Pamphlete austeilten und weinten und sich auszogen, während die Sirenen von Los Alamos sie in Grund und Boden heulten und die Wall Street entlangheulten, und die Fähre nach Staten Island heulte auch,

32. die schluchzend zusammenbrachen in weißen Turnhallen, nackt und zitternd vor der Maschinerie anderer Skelette,

33. die Polizisten in den Nacken bissen und in den Streifenwagen kreischten vor Vergnügen, weil sie nichts auf dem Kerbholz hatten als ihr wildes blühendes Schwulsein und ihre Räusche,

34. die in der U-Bahn auf die Knie gingen und schrien und vom Dach gezerrt wurden und Genitalien und Manuskripte schwenkten,

35. die sich von frommen Motorradfahrern in den Arsch ficken ließen und schrien vor Freude,

36. die den Matrosen einen bliesen, diesen Seraphen in Menschengestalt, und sich von ihnen einen blasen ließen, atlantische Zärtlichkeiten und karibische Liebe,

37. die morgens und abends in Rosengärten herumfickten und im Gras der öffentlichen Parkanlagen und Friedhöfe und ihren Samen großzügig verschleuderten an jeden, der vorüberkam,

38. die endlosen Schluckauf hatten und zu kichern versuchten und dann hinter einer Trennwand in einem türkischen Bad nur noch schluchzten, als der blonde & nackte Engel erschien, um sie mit einem Schwert zu durchbohren,

39. die ihre Loverboys an die drei alten Parzen des Schicksals verloren: die einäugige Parze des heterosexuellen Dollars, die einäugige Parze, die mit den Schamlippen zwinkert und die einäugige Parze, die nur auf Ihrem Arsch sitzt und die intellektuellen Goldfäden am Webstuhl des Künstlers durchschnipst,

40. die ekstatisch und unersättlich kopulierten mit einer Bierflasche, mit einem Sweetheart, mit einer Schachtel Zigaretten, mit einer Kerze und vom Bett fielen und auf dem Boden weiterfickten bis in den Hausflur und schließlich an einer Wand ohnmächtig wurden mit einer Vision der ultimativen Möse und des absoluten Orgasmus, mit dem sie den letzten Zuckungen des Bewusstseins entkommen würden,

41. die eine Million im Abendlicht zitternder Girls nass machten zwischen den Beinen und am Morgen blutunterlaufene Augen hatten, aber bereit waren, auch die Sonne nass zu machen, indem sie ihr mit blanken Arschbacken zuwinkten unter Scheunendächern und nackt im See,

42. die auszogen und in Myriaden gestohlener Autos nachts durch Colorado hurten, N.(eal) C.(assady), geheimer Held dieser Gedichte, Schwanzträger und Adonis von Denver - mit Freude gedenken wir seiner unzähligen Ficks auf leeren Grundstücken & Diner-Hinterhöfen, in wackligen Kino-Sitzreihen, auf Bergspitzen in Höhlen oder mit hageren Kellnerinnen, denen er an vertrauten Straßenrändern den einsamen Petticoat hob, und besonders beim heimlichen Fürsichsein auf Tankstellen-Klos & in den Gassen seiner Heimatstadt auch,

43. die in endlosen ekelerregenden Filmen das Bewußtsein verloren, in Träumen umhertrieben, plötzlich in Manhattan erwachten und aus Kellern herauskrochen, verkatert von herzlosem Süßwein und gusseisernen Alpträumen der Third Avenue & zum nächsten Arbeitsamt stolperten,

44. die nächtelang mit Schuhen voll Blut über die verschneiten Docks wanderten und darauf warteten, daß sich im East River eine Tür auftat zu einem Raum voll Sauna-Dampf und Opium,

45. die großartige Selbstmord-Dramen abzogen auf den Apartment-Klippen des Hudson unter dem wie im Krieg verdunkelten blauen Flutlich des Mondes & ihre Häupter sollen gekrönt werden mit Lorbeer bis sie dem Vergessen anheimfallen,
46. die das Lammfleisch der Vorstellungskraft aßen oder die Filzläuse verdauten auf dem schlammigen Grund der Flüsse der Bowery,

47. die die Romantik der Straßen beweinten mit ihren Schubkarren voller Zwiebeln und schlechter Musik,

48. die in Pappkartons in der Dunkelheit unter der Brücke saßen und atmeten und sich dann erhoben, um Cembalos zu bauen in ihren Lofts.

49. die in Harlem husteten im sechsten Stock, flammengekrönt unter dem tuberkulösen Himmel, umgeben von Orangenkisten voll Theologie,

50. die nächtelang in Trance erhabene Hymnen hinkritzelten und in der gelben Morgendämmerung war es dann nur leeres Gestammel,

51. die sich Borschtsch kochten aus angefaulten Tierkadavern Lungen Herzen Füßen und Schwänzen und sich Tortillas buken und dabei träumten vom reinen Königreich des Gemüses,

52. die unter Fleischerwagen robbten auf der Suche nach einem Ei,

53. die ihre Armbanduhren vom Dach warfen, um ihre Stimme abzugeben für eine Ewigkeit jenseits der Zeit, und während der nächsten zehn Jahre fiel ihnen jeden Tag ein Wecker auf den Kopf,

54. die sich dreimal hintereinander die Pulsadern aufschnitten, ohne Erfolg, und dann aufgaben und Antiquitätenläden aufmachen mussten, in denen sie sich alt vorkamen und weinten,

55. die bei lebendigem Leibe verbrannt wurden in ihren unschuldigen Flanellanzügen auf der Madison Avenue, unter schwerem Beschuss bleierner Verse & dem Panzergerassel eiserner Moderegimenter & den spitzen Nitroglyzerinschreien schwuler Werbefritzen & dem Senfgas der finsteren Intelligenz von Verlegern oder sie wurden einfach über den Haufen gefahren von den trunkenen Droschken der Absoluten Wirklichkeit,

56. die von der Brooklyn Bridge sprangen, das ist wirklich passiert, und unerkannt und vergessen verschwanden in die gespenstische Umnachtung der Suppengassen und Feuerwehrlöschzüge von Chinatown, nicht ein Bier umsonst,

57. die aus ihren Fenstern sangen voller Verzweiflung, aus dem U-Bahn-Fenster kippten, in den vermüllten Passaic sprangen, Neger anfielen, auf der Straße lauthals weinten, barfuß auf zerbrochenen Weingläsern tanzten, Schallplatten zerbrachen mit nostalgischem europäischem 30er-Jahre-Jazz aus Deutschland, dann den Whisky austranken und stöhnend in die blutige Kloschüssel kotzten, Gewinsel in den Ohren und das Dröhnen kolossaler Dampfpfeifen,

58. die über die Highways der Vergangenheit bretterten, unterwegs zu ihren Straßenrennen-Golgathas, ihren Gefängnis-Gethsemanes und ihren Jazz-Inkarnationen in Birmingham,

59. die zweiundsiebzig Stunden quer durch das Land fuhren, um herauszufinden, ob ich eine Vision hatte oder du eine Vision hattest oder er eine Vision hatte vom Weg in die Ewigkeit,

60. die nach Denver reisten, die in Denver starben, die zurückkamen nach Denver & vergeblich warteten, die wachten über Denver & in Denver grübelten & vereinsamten und schließlich abhauten, um herauszufinden, was die Uhr geschlagen hatte & nun ist Denver einsam und sehnt sich nach seinen Helden,

61. die in die Knie brachen in hoffnungslosen Kathedralen und füreinander beteten, um Erlösung und Licht und Brüste, bis die Seele ihr Haar für einen Augenblick erleuchtete,

62. die durchdrehten im Knast in Erwartung unerträglicher Krimineller mit goldenen Häuptern und dem Zauber der Wirklichkeit in ihren Herzen, mit sanften Blues-Songs für Alcatraz,

63. die sich nach Mexico zurückzogen, um in Ruhe zu fixen oder nach Rocky Mount, um sich dem Buddha anzudienen oder nach Tanger wegen der Jungs dort oder zur Southern Pacific und ihrer schwarzen Lokomotive oder nach Harvard zu Narziss oder nach Woodlawn zum Gruppenfick oder ins Grab,

64. die Untersuchungen des öffentlichen Geisteszustandes forderten und dem Rundfunk hypnotische Praktiken vorwarfen & und am Ende dastanden mit ihrer Geisteskrankheit & ihren Händen & und einer uneinigen Jury,

65. die am City College von New York die Dadaismus-Dozenten mit Kartoffelsalat bewarfen und sich anschließend mit geschorenen Köpfen und clownesken Selbstmordreden auf den Granittreppen der Irrenanstalt präsentierten und sofortige Lobotomie verlangten,

66. und denen man stattdessen die betonharte Leere von Insulin verabreichte und Metasol Elektroschocks Hydrotherapie Psychotherapie Tischtennis & Gedächtnisverlust,

67. die in humorlosem Protest nur eine symbolische Tischtennisplatte umwarfen und sich kurz ausruhten in Katatonie,

68. um Jahre später zurückzukehren, jetzt wirklich kahlköpfig, bis auf eine Perücke aus Blut und Tränen und Fingern, in das unausweichliche Irrenschicksal in den geschlossenen Abteilungen der Irrenstädte des Ostens,

69. in die von Verwesungsgeruch stinkenden Hallen von Rocklands Pilgrim State Hospital und Greystone, flackernd von den Echos der Seele, rollend und zuckend in den Liebesgräbern der mitternächtlichen Anschnalltische, der Traum vom Leben ein Alptraum, die Körper versteinert und schwer wie der Mond,

70. mit Mutter schließlich ***** und das letzte phantastische Buch aus dem Fenster geschleudert und die letzte Tür um vier Uhr morgens verschlossen und das letzte Telephon als Antwort an die Wand gefeuert und das letzte möblierte Zimmer ausgeleert bis auf das letzte Stück der geistigen Einrichtung, eine gelbe Rose aus Papier, um einen Drahtbügel im Wandschrank gewunden, und selbst das ist nur Einbildung, nichts als ein hoffnungsvolles kleines bisschen Halluzination -

71. ah, Carl, solange du nicht in Sicherheit bist, bin ich es auch nicht, und jetzt bist du wirklich in der totalen tierischen Suppe der Zeit -

72. und die deshalb durch die eisigen Straßen rannten, besessen von plötzlicher Einsicht in den alchemistischen Gebrauch des Ellipsen-Kataloges der variablen Maße und der vibrierenden Fläche,

73. die träumten und durch Bilder nebeneinandergestellt leibhaftige Löcher in Zeit & Raum schufen und den Erzengel der Seele zwischen zwei Bildvorstellungen einfingen und die elementaren Verben verbanden und das Nomen und den Bindestrich des Bewusstseins zusammenfügten und herumsprangen mit dem Allmachtsgefühl des Pater Omnipotens Aeterne Deus

74. um Syntax und Rhythmus der ärmlichen menschlichen Prosa neu zu erschaffen und vor euch zu stehen, sprachlos und intelligent und zitternd vor Scham, zurückgewiesen, doch frei die Seele bekennend im Einklang mit dem Rhythmus der Gedanken in seinem nackten und unendlichen Kopf,

75. der wahnsinnige Penner und Engel, geschlagen in der Zeit, unbekannt, aber hier um festzuhalten, was vielleicht noch zu sagen bleibt in der Zeit nach dem Tod,

76. und die auferstanden, wiedergeboren in den geisterhaften Gewändern des Jazz im Goldhornschatten der Band und die Sehnsucht der nackten amerikanischen Seele nach Liebe hinausröhrten in einem eli eli lama lama sabachtani Saxophonschrei, der die Städte bis ins letzte Radio erzittern ließ
77. mit dem absoluten Herzen des Gedichts des Lebens, herausgerissen aus ihren eigenen Leibern, Nahrung genug für tausend Jahre.




II

1. Welche Sphinx aus Zement und Aluminium zertrümmerte ihnen die Schädel und fraß ihre Gehirne und ihre Phantasie?

2. Moloch! Einsamkeit! Dreck! Hässlichkeit! Mülleimer und unerschwingliche Dollars! Angstschreie von Kindern unter den Treppen! Schluchzende Jungs in der Armee! Alte Männer, weinend in den Parks!

3. Moloch! Moloch! Alptraum des Moloch! Moloch der Lieblose! Moloch des Denkens! Moloch der harte Richter über die Menschen!

4. Moloch, das unbegreifliche Gefängnis! Moloch, das totenköpfige seelenlose Zuchthaus, der Kongress der Ängste! Moloch, dessen Gebäude uns richten! Moloch, der riesige Stein des Krieges! Moloch, die gelähmten Regierungen!

5. Moloch, dessen Bewusstsein eine reine Maschine ist! Moloch, in dessen Adern Geld fließt! Moloch, dessen Finger zehn Armeen sind! Moloch, dessen Brust ein Kannibalen-Dynamo! Moloch, dessen Ohr ein rauchendes Grab!

6. Moloch, dessen Augen tausend blinde Fenster sind! Moloch, dessen Wolkenkratzer an den Alleen wie endlose Jehovas! Moloch, dessen Fabriken qualmen und röcheln im Smog! Moloch, dessen Schornsteine und Antennen die Krone der Städte sind!

7. Moloch, dessen Liebe ein Ozean von Öl und Stein ist! Moloch, dessen Seele Elektrizität ist und Banken! Moloch, dessen Armut das Gespenst des Genies ist! Moloch, dessen Schicksal eine Wolke geschlechtslosen Wasserstoffs ist! Moloch, dessen Name das Denken ist!

8. Moloch, in dem ich einsam sitze! Moloch, in dem ich Engel erträume! Verrückt in Moloch! Schwanzlutscher in Moloch! Ohne Liebe und Freundschaft in Moloch!

9. Moloch, der mir früh in die Seele drang! Moloch, in dem ich ein Bewusstsein bin ohne Körper! Moloch, der mich aus meiner natürlichen Ekstase schreckte! Moloch, von dem ich mich lossage! Erwachen in Moloch! Licht, das vom Himmel strömt!

10. Moloch! Moloch! Roboter-Apartments! unsichtbare Vorstädte! Tresore voll von Skeletten! blinde Hauptstädte! dämonische Industrien! Gespenstische Nationen! Unüberwindliche Irrenhäuser! Granitschwänze! monströse Bomben!

11. Sie brachen sich das Kreuz, als sie Moloch zum Himmel erhoben! Straßenpflaster, Bäume, Radios tonnenschwer! Sie hoben die Stadt in den Himmel, der existiert und uns von allen Seiten umgibt!

12. Visionen! Omen! Halluzinationen! Wunder! Ekstasen! Alles den amerikanischen Bach runter!



13. Träume! Anbetungen! Erleuchtungen! Religionen! die ganze Schiffsladung empfindsamer Scheisse! 



14. Durchbrüche! über den Fluss! ausgeflippt und gekreuzigt! fortgespült mit der Flut! Räusche! Offenbarungen! Verzweiflungen! Zehn Jahre anhaltende tierische Schreie und Selbstmorde! Geister! Neue Liebschaften! Irrsinnige Generation! gestrandet auf den Felsen der Zeit!

15. Echtes heiliges Gelächter im Fluss! Sie sahen es alle! die wilden Augen! die heiligen Schreie! Sie verabschiedeten sich! Sie sprangen vom Dach! in die Einsamkeit! winkend! mit Blumen in den Händen! Hinunter zum Fluss! Hinaus auf die Straße!








III



1. Carl Solomon! Ich bin bei dir in Rockland

wo du wahnsinniger bist als ich




2. Ich bin bei dir in Rockland

wo du dir sehr seltsam vorkommen musst




3. Ich bin bei dir in Rockland

wo du den Geist meiner Mutter nachspielst




4. Ich bin bei dir in Rockland

wo du deine zwölf Sekretäre umgebracht hast




5. Ich bin bei dir in Rockland

wo du lachst über diesen unsichtbaren Humor




6. Ich bin bei dir in Rockland

wo wir große Schriftsteller sind an derselben entsetzlichen Schreibmaschine




7. Ich bin bei dir in Rockland

wo dein Zustand ernst geworden ist und im Radio durchgegeben wird




8. Ich bin bei dir in Rockland

wo die Fähigkeiten des Schädels sich den Würmern der Sinne verweigern




9. Ich bin bei dir in Rockland

wo du den Tee aus den Brüsten der alten Jungfern von Utica trinkst




10. Ich bin bei dir in Rockland

wo du die Leiber deiner Krankenschwestern mit den Harpyien der Bronx vergleichst




11. Ich bin bei dir in Rockland

wo du in der Zwangsjacke schreist, dass du das alles entscheidende Pingpongspiel mit dem Abgrund verlierst




12. Ich bin bei dir in Rockland

wo du auf dem katatonischen Piano hämmerst die Seele ist unschuldig und unsterblich und sollte nicht gottlos in einem gepanzerten Irrenhaus sterben




13. Ich bin bei dir in Rockland

wo auch fünfzig weitere Elektroschocks deine Seele nicht mehr in den Körper zurückholen werden von ihrer Pilgerfahrt zu einem Kreuz in der Leere




14. Ich bin bei dir in Rockland

wo du deine Ärzte des Wahnsinns bezichtigst und die hebräisch-sozialistische Revolution gegen das national-faschistische Golgatha planst




15. Ich bin bei dir in Rockland

wo du die Himmel über Long Island aufreissen wirst und wiederauferwecken deinen lebendigen menschlichen Jesus aus dem übermenschlichen Grab 


16. Ich bin bei dir in Rockland 
wo fünfundzwanzigtausend geisteskranke Genossen gemeinsam die letzten Strophen der Internationale singen



17. Ich bin bei dir in Rockland

wo wir unter den Bettdecken die Vereinigten Staaten drücken und küssen, die Vereinigten Staaten, die die ganze Nacht husten und uns nicht schlafen lassen




18. Ich bin bei dir in Rockland

wo wir elektrisiert aus dem Koma erwachen vom Donner der Flugzeuge unsrer eigenen Seelen über dem Dach sie sind gekommen, um angelische Bomben zu werfen das Hospital erstrahlt im Licht imaginäre Wände fallen Oh knochige Legionen, rennt ins Freie Oh Sternenbanner-Schock der Gnade, der ewige Krieg ist ausgebrochen Oh Sieg vergiss deine Unterwäsche wir sind frei




19. Ich bin bei dir in Rockland

In meinen Träumen kommst du triefend von einer Seereise auf dem Highway durch Amerika, in Tränen aufgelöst, zur Tür meiner Hütte in der westlichen Nacht




Allen Ginsberg San Francisco 1955/56










In Memory of Charles Bukowski



Charles du alte Haubitze, 
dort wo Du jetzt gerade abhängst, 
ist bestimmt ne richtig fette Party im Gange, 
also mit Engelstitten, 
fetten Weiberärschen, 
und ner Menge himmlischen Gebräu, 
so wie Du es immer am liebsten hattest. 

Aber auf mich musst Du leider noch ein wenig warten. 

Also lass es ohne mich krachen. 
Wir sehen uns später bei ner Runde Skat mit Gott.


Your dirty jung man Kifthi Graßner




Der Große mit dem Säbel

Paß auf, ich ging zum Friseur, es war schönes Wetter, alles prima, bis sie mir dieses Ding da reinwürgten
...ich meine, ich saß da und wartete bis ich drankam und nahm mir ne Illustrierte -- das übliche: 
Weiber mit raushängenden Titten usw. und dann blätterte ich um 
und da waren ein paar Fotos von Orientalen irgendwo im Freien, 
und da stand dieser große Scheißtyp mit dem Säbel -- unten drunter hieß es, 
er hätte einen sehr guten Hieb, ne Menge Kraft dahinter, und das Foto zeigte ihn wie er gerade mit dem Säbel ausholte, und man sah einen Orientalen der kniete da mit geschlossenen Augen, dann -- ZIP! -- und er kniete immer noch da, aber ohne Kopf, und man sah den sauber durchgehackten Nacken, nicht mal Blut spritzte raus, so blitzartig war die Trennung gekommen, und dann weitere Fotos von Enthauptungen, und dann ein Foto wo all diese Köpfe im Gras rumlagen, ohne Körper dran, und die Sonne schien drauf, und die Köpfe sahen fast so aus als würden sie noch leben, 
als hätten sie sich mit dem Tod noch nicht abgefunden, 
und dann sagte der Friseur

Der Nächste!

 und ich ging rüber zum Stuhl 
und mein Kopf saß noch drauf 
und sein Kopf sagte zu meinem Kopf, 

Wie möchtens Sie´s denn?
und ich sagte, 
  Na so mittel ...

und er schien ein ganz netter vernünftiger Mensch zu sein und es war irgendwie ein gutes Gefühl, mit netten vernünftigen Menschen zusammen zu sein und ich wollte ihn eigentlich fragen wegen dieser Köpfe aber ich sagte mir, vielleicht geht ihm das an die Nieren oder womöglich bringt es ihn auf dumme Gedanken 
oder er sagt einfach etwas, was uns nicht weiterbringt.
Also sagte ich gar nichts.

Ich hörte ihm zu, wie er mir die Haare schnitt
und er fing an von seinem Baby zu reden
und ich versuchte mich auf sein Baby zu konzentrieren,
es klang alles sehr vernünftig und logisch,
trotzdem mußte ich ständig an diese
Köpfe denken.

Als er mit dem Haarschneiden fertig war
drehte er mich rum, 
damit ich in den Spiegel sehen konnte. 
Mein Kopf saß noch drauf.

Is gut, sagte ich zu ihm, und ich stand auf, zahlte und
gab ihm ein großzügiges Trinkgeld.

Ich ging raus und eine Frau kam vorbei und hatte ihren Kopf drauf 
und die Leute die in Autos vorbeifuhren,
hatten auch ihre Köpfe drauf.
Ich hätte mich lieber auf die Titten konzentrieren sollen,
dachte ich, ist doch viel besser, all das raushängende Zeug,
oder die großen Mösen, die magischen sagenhaften Beine,
Sex war schließlich doch ne feine Sache, aber der Tag war mir
versaut, auf jeden Fall würde ich erst mal eine Nacht
schlafen müssen, um die Köpfe wieder loszuwerden.
Ein Mensch zu sein war eben ein hartes Brot:
es passierten so viele
Sachen ...

Ich sah meinem Kopf in einer Schaufensterscheibe
ich sah das Spiegelbild
und mein Kopf hatte eine Zigarette vorne drin,
mein Kopf sah müde aus und trist,
er lächelte nicht mit seinem neuen Haarschnitt.

Dann verschwand er
und ich ging weiter
an Häusern vorbei, voller Möbel und Katzen 
und Hunde und Leute
die auch nochmal davongekommen waren
und ich warf die Zigarette weg
sah sie brennen auf dem Asphalt
rot und weiß, 
eine dünne Rauchfahne dran,
und die Sonne schien
und das tat gut.




© Charles Bukowski 1974 MaroVerlag
aus

"Gedichte die einer schrieb,
bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang"












"Für Hunter"



Hunter S. Thompson


In einem dieser Drogensommer 

bist Du mir begegnet,

doch dann kam Regen

und Wolken weinten über mein Gesicht,

im Drogensommer stehen die Nebel dicht,

doch das es Dich aus meinem Leben regnet,

das schaffte auch ein Drogensommer nicht!



©_2000_Kifthi Graßner
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Bekannt wurde Hunter S. Thompson 1967 durch sein Buch
"Hell's Angels - A Strange and Terrible Saga"

Ende der 1960er Jahre, war er einer der ersten Autoren 
des neuen Magazins Rolling Stone. 
Thompson`s exzentrischer 
und ausschweifender Lebens wie Schreibstil, 
war einer der Gründe für den Erfolg des Rolling Stone. 
In dieser Zeit schuf sich Thompson seine ganz persönliche Form, 
den von ihm so genannten Gonzo-Journalismus
(der Ausdruck Gonzo wurde von seinem Freund, 
dem Journalisten Bill Cardoso geprägt).


Es entstand in dieser Zeit auch Thompson`s bekanntestes Buch,
"Fear and Loathing in Las Vegas"
(dt. Tit. "Angst und Schrecken in Las Vegas"),
(wörtl. "Angst und Abscheu in Las Vegas").

Sieben Monate nach dem Suizid Hunter S. Thompson`s
hatte das US-Magazin „Rolling Stone“
den Abschiedsbrief an seine Frau veröffentlicht.

Unter der Überschrift

„Football Season is over“ 
(„Die Footballsaison ist vorbei“)

schrieb Thompson vier Tage vor seinem Freitod:

„Keine Spiele mehr. Keine Bomben mehr. Kein Laufen mehr.
Kein Spaß mehr. Kein Schwimmen mehr. 67. Das ist 17 Jahre 
nach 50. 17 mehr als ich brauchte oder wollte.
Langweilig. Ich bin nur noch gehässig.
Kein Spaß - für niemanden.
67. Du wirst gierig.
Benimm dich deinem hohen Alter entsprechend.
Entspann' dich - es wird nicht wehtun.“


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Die Nachricht von Hunter`s Tod war für mich 
ein schlimmer Rückfall, 
welchen ich fast ein ganzes Jahrzehnt 
mit jeglicher Art Alk zu verdrängen versuchte.
Also erhob ich das Glas Absinth,
im Uppers & Downers Gemüseeintopf, 
um den ungleichen Brüdern
Kinkerlitzchen und Kokolores
im Dunkel des Nichts,
einen bunten Anstrich zu verpassen. 

Heute weiß ich, 
Schnaps ist nicht das Leben!


...bis die Tage...

Euer Kifthi Graßner...


Zum Abschluss möchte ich euch in diesem Zusammenhang
auf eine literarische Besonderheit aufmerksam machen,
welche, falls man so wie ich ein eingefleischter Fan Hunter S. Thompson`s ist,
unbedingt gelesen werden sollte. Ich habe es schon gelesen, nein,
gelesen wäre hier wohl das falsche Wort.
Mit meinen Augen, meinem Herzen und den Erinnerungen an Hunter
habe ich es regelrecht verschlungen und ich hoffe,
es zieht euch ebenso in seinen Bann.



 http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Rolling-Stone-Jahre/Hunter-S-Thompson/e416085.rhd